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"Reich werden kann ich davon nicht"
HK-SERIE, Teil 2: Gründerinnen erzählen von ihren Erfahrungen/ Heute:
Marion Richter
VON ANNA LISA TIBAUDO
Werther. Wer zu Marion Richter will, muss sich schon etwas auskennen im
Gewerbegebiet Esch. Auf dem ehemaligen Tiede-Gelände hat sie einen bezahlbaren
Raum für ihr eigenes Unternehmen gefunden. Seit Sommer 2004 bietet die Diplom-Legasthenie-Trainerin
dort Hilfe bei LeseRechtschreibschwäche an. "Nach meinem Studium in Bonn wollte ich gern mit
Kindern arbeiten", sagt die Linguistin, die als Nebenfächer Psychologie
und Pädagogik studierte und ließ sich durch ein anschließendes Fernstudium zur
Diplom -Legasthenie-Trainerin ausbilden. Parallel dazu habe sie als
Nachhilfelehrerin gearbeitet und so eine Möglichkeit gefunden, nebenbei
Legasthenie-Training anzubieten. Beides bei einem Gütersloher Institut mit
mehreren Zweigstellen in OWL. "Ich wollte mich selbständig machen", sagt die
gebürtige Wertheranerin, "und wusste, dass es Legasthenietraining in
Werther noch nicht gibt. Da dachte ich, könne ich das Risiko eingehen."
Nach längerer Suche fand sie bei Freiraum e.V. kindgerechte Räumlichkeiten zur
Mitbenutzung. Ein geeigneter Name war schnell gefunden; eine Coca-Cola-Werbung
inspirierte sie: »Lilalulalum« steht an der Tür von Marion Richter. "Da
Legastheniker beim Lesen und Verbinden von einzelnen Buchstaben Schwierigkeiten
haben, kann es hilfreich sein, einen Konsonanten und einen Vokal aneinanderzureihen,
um so Schritt für Schritt ein langes Wort zu lesen", erklärt die Trainerin. Um die Finanzierung zu sichern hatte Marion Richter im
Vorfeld ein Existenzgründerseminar besucht. "Das fand ich aber eher demotivierend,
weil man so viel vorausplanen muss. Ich wusste, dass ich keinen Kredit
aufnehmen wollte, um das Risiko zu minimieren. Und ich wollte mir etwas Zeit
lassen. Mein Motto war: Es muss sich entwickeln und ich werde da hineinwachsen.
" Sie gründete eine Ich-AG, bekam einen
Existenzgründerzuschuss vom damaligen Arbeitsamt und ließ sich von einem Coach
beraten. Beim Gestalten der Werbeflyer und Visitenkarten habe ihr Freund
geholfen. Obwohl Marion Richter kein schriftlich fixiertes Konzept
hat, weiß sie intuitiv, wie sie vorzugehen hat. Sie ist immer bemüht, ihre
Selbständigkeit zu optimieren. "Ich habe Anzeigen geschaltet, Vorträge gehalten, Flyer
verteilt oder Artikel in der Zeitung gehabt", sagt Richter, "und bin
am Anfang mit dem Geld so über die Runden gekommen. Aber reich werden kann ich
davon nicht", erklärt sie. "Es wäre toll, wenn ich fünf Tage die Woche in einer
eigenen Praxis arbeiten könnte." Zurzeit finanziere sie sich überwiegend
über ihr Honorar als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Mit ihrer Selbstständigkeit hat sich einiges geändert.
"Im Gegensatz zum Angestelltenverhältnis, das ja Sicherheit bietet, möchte
ich meine Selbstständigkeit nicht missen. Ich entwickle mich dadurch weiter.
Ich denke, dass ich schon immer freiberuflich arbeiten wollte ob zu Hause
oder in der eigenen Praxis", erklärt Marion Richter und findet es gut,
beruflich etwas zu wagen. "Man braucht natürlich auch Mut dazu, Selbstvertrauen,
Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen. Wichtig ist es, Menschen zu finden,
die einen unterstützen;
Man
braucht Menschen, die einen unterstützen
 (Haller
Kreisblatt: vom 7.10.2007)
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